Galalith – Schmuck aus Milch, den jeder trug

Galalith = Kunsthorn, Milchstein oder Casein-Kunststoff (alter Handelsname) genannt; engl. Erinoid; USA: erinoid , karolith , aladdinik und corolite

Der Name geht auf die griechische Bezeichnung für Milch und Stein zurück: gala = Milch, lithos = Stein – übersetzt also „Milchstein“. Und da es in Verarbeitung (Bohren, Fräsen, Prägen) ähnliche Eigenschaften wie Edelharz aufweist, ist auch „Kunsthorn“ eine gängige Bezeichnung.

Der Legende nach war es eine Katze: Entdeckung & Herstellung des Galalith

Galalith ist seit dem Mittelalter bekannt, aber dann wieder in Vergessenheit geraten und durch einen lustigen Zufall mit einer Katze wieder aufgetaucht: der Legende nach soll die Katze von Adolf Spitteler mit der Pfote eine Flasche Formaldehyd umgestossen haben, der Inhalt ergoss sich in eine Schale Milch, die verklumpte. Das war die Stunde der Entdeckung – hier können Sie die ganze Geschichte nachlesen. Patentiert wurde Galalith von Wilhelm Krische und Adolf Spitteler im Jahre 1897 – als eines der ersten Kunststoffe.

Halten Sie mal ein Streichholz an Galalith und riechen Sie: Sie werden feststellen, daß es nach verbrannter Milch riecht. Der Grund ist einfach: denn hergestellt wird es, indem Casein/Kasein (von lat. Caseus=Käse; Eiweißbestandteile der Milch) durch Formaldehydbäder gehärtet wird.

Trend “Unechter Schmuck”: Vorteile & Verwendungsgeschichte von Galalith

Simple und kostengünstige Herstellung, einfache Verarbeitung sowie Einfärbung mit Farbpigmenten und eine tolle Optik – all das waren die Gründe, warum die Galalith-Produktion Anfang des letzten Jahrhunderts so boomte, vor allem in der Modeschmuckindustrie – denn so wurde Schmuck für alle erschwinglich.

Galalith wurde u.a. für Füllhalter, Dosen, Radiogehäuse, Spielzeug, Stock- und Schirmgriffe, Knöpfe und eben Schmuck verwendet – z. B. in der Artdeco-Schmuckproduktion der Firmen Jakob Bengel in Idar-Oberstein, Henkel und Grosse in Pforzheim  und Aust Bonas in Frankreich. Bis in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts wurde es verwendet, allerdings konnte es sich gegen das ab 1910 erhältliche  Bakelit in den USA kaum durchsetzen. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es neue, vollsynthetische Kunststoffe und die verdrängten Galalith vollends auf den letzten Platz: denn Erdöl – als Grundstoff der neuen Kunststoffe – war günstiger und bröckelte nicht.

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